Rezept: Nachtrag

In der vorigen Woche habe ich zum ersten Mal Fuscher mit Roggenmehl gekocht, wie unsere Vorfahren die Fuscher-Speise immer vorbereitet haben sollen.

Leider ist mein Fuscher mit Roggenmehl nicht so gelungen, wie ich es gewünscht habe. Es wurde eine sehr klebrige Angelegenheit und meine Fuscherspeise bekam zwangsläufig keine Bindung, wie mit Weizenmehl.

Geschmacklich war mein Fuscher mit Roggenmehl zwar anders, als mit Weizenmehl, aber er schmeckte nicht schlecht.

Auch beim Braten des übrig gebliebenen Fuschers mit Roggenmehl verfestigte sich die Karoffeln mit dem Roggenmehl nicht in gewünschter Weise.
Möglicherweise hatten unsere Vorfahren einen Trick, damit sich die Kartoffeln mit dem Roggenmehl binden. Allein durch das Brühen des Mehls durch die heißen Kartoffeln gelingt das nicht.

Weizen benötigt zum Wachsen und Gedeihen guten Boden und damals gab es noch keine Kunstdünger. Der wenige Naturdünger (Mist aus den Stallungen, auch menschliche Hinterlassenschaft unterhalb des Häuschens mit einem Herz in der Tür) wurde für den Anbau von Kartoffeln und Rüben benötigt. Darum musste in der Landwirtschaft eine Fruchtfolge beachtet werden, damit alle Äcker eines Hofes innerhalb drei bis vier Jahren mit Dünger versorgt werden konnten.
Erst im Jahr danach wurde früher auch ein kleiner Acker mit Weizen besät und das daraus gewonnene Mehl wurde hauptsächlich zum Kuchenbacken verwendet.

Wer hat da eine Lösung?

 

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Fuscheressen am 17. Februar 2007 in Lüneburg

Schon lange hatten wir mit Erika und Harry eine Fuscher-Mahlzeit in Lüneburg vereinbart und kurz Entschlossen wählten wir eine Sonnabend im Februar des Jahres 2007. Erika hatte mehlige Kartoffeln vom Öko-Mark beschafft. Mehl, Sahne und Zitronen bereit gelegt und Harry begann gleich nach dem Frühstück mit dem Kartoffelschälen.

Auch wir begaben uns auf die mehr als eine Stunde währende Autofahrt nach Lüneburg und brachten durchwachsenen und leicht angeräucherten Bauchspeck mit. Den bekommen wir hier von glücklichen Schweinen stammend und das ist für den Soßengeschmack sehr wichtig.

Etwas später, als vereinbart trafen wir in Lüneburg ein. Ein großer Topf voller Kartoffeln wurde zum Kochen auf den Herd gestellt. Harry schnitt den Bauchspeck in Scheiben (Grieben) und ich begann auf kleiner Flamme und in einer großen Pfanne die Grundlage für die Fuschersoße langsam auszulassen.

Während die Kartoffeln kochten, bereitete ich die Soße vor, die für den vollen Topf Fuscher auch reichen musste. Nachdem der in Scheiben geschnittene Bauchspeck ausgelassen und auch etwas kross gebräunt und herausgenommen waren, wurden vier Becher süße Sahne hinzu gegossen und mit Zitronensaft (eine Zitrone) abgeschmeckt und langsam einköcheln gelassen, damit es auch Fuschersoße wurde.

Inzwischen waren die Kartoffeln gar, das zu viele Wasser wurden abgegossen,  Mehl mit einem hölzernen Kochlöffel zwischen die Kartoffel gemischt. Als Faustnorm gilt, etwa ein Drittel Mehl auf zwei Drittel Kartoffeln. Harry hatte einen Holzhocker mitten in die Küche gestellt, darauf kam der Topf und einer von uns hielt ihn fest, während der Andere stampfte bis sich Kartoffeln und Mehl zu einer Masse vereinten und keine Mehlklümpchen mehr entdeckt wurden. Einen zünftigen Kartoffel-Stampfer gedrechselt aus Holz hatte ich vorsichtshalber mitgebracht und das erwies sich als Volltreffer. Beides, Fuscher und Soße, war bestens geraten, was alle bestätigten und an Harrys zufriedenem Gesichts-Ausdruck eindeutig belegt.

Seit meiner Kindheit ist die Fuscherspeise eine meiner Lieblingsspeisen und daran hat sich bis heute nichts geändert. Inzwischen bin ich 87 Jahre alt und kann körperlich nur noch auf Sparflamme beansprucht werden. Das führt auch dazu, dass ich diese Lieblingsspeise nicht mehr so oft essen darf, denn danach kann ich kein Brennholz mehr hacken, um die aufgenommenen Kalorien abzubauen.

Geschichtlich hat der Zweite Weltkrieg mit dem Einmarsch Deutschlands in Polen begonnen. Da ließ auch Stalin seine russischen Truppen über die Ostgrenze Polens marschieren und besetzte die ihm von den Polen im Ersten Weltkrieg abgetrennten Gebiete.

Nur zwei Jahre danach brach im Jahre 1941 der Krieg zwischen Deutschland und Russland aus. Da verbannte Stalin seine deutschstämmigen Untertanen aus ihrer Heimat in der Ukraine und dem Wolgagebiet und setzte sie in seine weit östlich liegende Steppen und unbewohntes Land aus. Während der wochenlangen Transporte in Viehwaggons mussten sich die Deportierten selbst ernähren und dabei half ihnen auch wieder die Fuscher-Kartoffelspeise.

Als ich in den Jahren meiner Selbständigkeit ein junges Ehepaar traf, die beide Russland-Deutsche sind, kannten beide die Fuscher-Kartoffelspeise. Die junge Frau berichtete mir, dass sie im Kindesalter die „Grieben“ nicht mochte, was ich wiederum überhaupt nicht verstehen kann. Aber auch meine liebe Frau mag zwar Fuscher, aber keine „Grieben“ in der Soße. So ist es eben, einer liebt die Tochter und der andere die Mutter.

Diese Website soll diese köstliche Fuscher-Karoffelspeise wieder ins Gedächtnis rufen, denn „Fuscher-Esser“ sind durchweg sehr sympathische Leute. Mindestens einmal im Jahr lud ich meine Kinder, Schwieger-Kinder, Neffen und Nichten zur Fuscher-Speise zu mir ein und dann bedaure ich es immer, wenn jemand diese köstliche Fuscherspeise nicht schlucken kann, dann kauen sollte man die Fuscherspeise selbst nicht.

Es stimmt aber nicht, dass ich als Schwieger-Töchter oder Söhne nur Fuscher-Esser akzeptiere, aber lieber wäre es mir schon, wenn sie meine Lieblinsspeise auch mögen und sie mir dann eine Fuscher-Speise zubereiten würden.

Es gibt in der Zubereitung der Fuschersoße auch andere Varianten, wie aus den Kommentaren zu dieser Fuscher-Webseite ersichtlich ist. So wird aus religiösen Gründen Schweinespeck auch nicht für die Zubereitung der Fuschersoße verwendet. Stattdessen werden Rippchen vom Schaf, Kalb oder Rind geschmort und  zur Fuscherspeise gegessen, was auch sehr schmackhaft sein muss.

Ihr Gerhard Wolter

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Die Kartoffelspeise

Die Kartoffelspeise „Fuscher“ ist in der ganzen Welt bekannt

Meine Vorfahren waren Siedler in Masovien, das zu Kongresspolen gehörte und die Kartoffel-Fuscherspeise war bei ihnen sehr beliebt. Sie wurde von Generation zu Generation weiter vererbt. Bei der letzten Teilung Polens kam es unter russische Herrschaft und sls der Erste Weltkrieg begann, verbannte der russische Zar die Männer seiner deutschen Untertanen aus Kongresspolen ans Nordmeer seines großen Reiches. Etwa sechs Wochen danach wurden auch die Frauen und Kinder der Verbannten in die Deutsche Wolga-Republick verbracht. Als die verbannten Männer davon erfuhren, erbaten sie beim Zaren eine Familien-Zusammenführung und der Zar gewährte ihre Bitte. Während der wochenlangen Reise in Viehwagons der russischen Eisenbahn mussten die Verbannten sich selbst verpflegen und dafür eignete sich auch die Fuscher-Kartoffelspeise bestens, den sie hielt sich in de kalten Jahreszeit auch für eine längere Zeit.

Als im Jahre 1917 in Russland die Revolution ausbrach, durften die Verbannten in ihre Heimat zurückkehren. Am Ende des Zweiten Weltkrieges verließen viele Deutsche Kongresspolen, das noch von Reichsdeutschen Truppen besetzt war. Auch meine Eltern zogen nach Westpreußen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Versailler Friedensvertrag des Jahres 1920 ein neues Polen gegründet und ihm wurde Westpreußen und die Provinz Posen zugeteilt. So kamen meine Eltern fast nahtlos von der russischen unter die polnische Herrschaft und im Jahre 1924 bin ich dort geboren.

Auch mein Vetter Rudolf Jeske, der in seiner Jugend ein großer Fuscher-Liebhaber war und den Spitznamen „Fuscher-Jeske“ bekam, wanderte nach Amerika aus. Er lebte in der Stadt Edmonton in Kanada und war bis zu seinem Tode Prediger der evangelischen Kirche Gottes.

Ich bin auch ein großer Fuscher-Fan und als ich mit meiner Familie Ende des letzten Jahrhunderts gute Freunde in Edmonton besuchte, war Vetter Rudolf. der „Fuscher-Jeske“ bereits verstorben. Da kamen wir mit unseren Bekannten auch auf die Fuscherspeise zu sprechen und ich fragte die Ehefrau meines kanadischen Freundes, „wie bereitest du die Fuscherspeise zu?“ Der kleine Unterschied zu meiner Fuscher-Zubereitung war nur, dass sie – als erfahrene Hausfrau nur soviel Wasser zum Kochen der Kartoffeln in den Topf gab, wie es erforderlich war und kein zu vieles Kochwasser von den Kartoffeln abgegossen werden musste.

Da beschlossen wir recht spontan, dass ich als „Fuscher-Fan“ für die ganze Sippe unserer Bekannten eine Fuscherspeise zubereite. Wir vereinbarten auch gleich einen Termin dafür und mit Trautes großer Unterstützung bereiteten wir für zwölf Personen eine Fuscherspeise zu. Der einzige Unterschied zu meiner Zubereitungs-Variante war, dass meine kanadische Bekannte keinen hölzernen Fuscherstampfer mehr besaß und das Stampfen des Fuschers einer elektrischen Knetmaschine überließ, was eine sehr erhebliche Arbeitserleichterung war.

Diese Fuscher-Mahlzeit wurde ein voller Erfolg und sie ist uns allen in guter Erinnerung geblieben.

Es stellte sich uns die Frage, wie ist die Kartoffelspeise „Fuscher“ entstanden, wie kam sie zu ihrem Namen und wie wird sie zubereitet?

Für die Namensfrage kann es folgende Theorie geben: Der Name „Fuscher“ entstand sicher aus dem Wort „pfuschen“ und es kann gut möglich sein, dass nach der ersten Fuscher-Zubereitung gefragt wurde; „was hast du denn da zusammengepfuscht“ und schon hatte diese Kartoffelspeise auch den Namen Fuscher erhalten.

Wer Fuscher aber zubereitet hat der weiß auch, dass dabei nicht gepfuscht werden darf. Fuscher muss gründlich und solange gestampft werden, bis jedes Mehlklümpchen zerstampft ist und eine kompakte Masse aus Kartoffeln und Mehl entstanden ist, die sich auch – wie ein gut zubereiteter Teig vom Topfrand und auch vom Stampfer löst.

Wahrscheinlich waren es Bayern, die auch die Fuscherspeise erfanden, denn seit der preußische König Friedrich die Kartoffel in Preußen einführte, um seine Untertanen besser zu ernähren, hat es ganz sicher nur eine sehr kurze Zeitspanne gedauert, bis auch die Bayern die Kartoffel bei sich einführten. Dann stellten sie auch schnell fest, dass Speisen aus Kartoffeln und Mehl schmackhafte Speisen ergeben und „schwub`die wub“ war auch die Fuscherspeise erfunden.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fuscher liebenden Siedler aus dem Osten in alle Welt vertrieben. Aber nur wenige von ihnen hatten neben dem Wissen von der Zubereitung der schmackhaften Fuscherspeise auch die Möglichkeit, sie zu zubereiten, denn es fehlte immer zumindest Mehl oder Bauchspeck.

Damit diese köstliche Kartoffelspeise nicht vergessen und auch an unsere Nachkommen weiter gegeben wird, dafür soll die folgende Webseite sorgen.

Ihr Gerhard Wolter

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