Fuscheressen am 17. Februar 2007 in Lüneburg

Schon lange hatten wir mit Erika und Harry eine Fuscher-Mahlzeit in Lüneburg vereinbart und kurz Entschlossen wählten wir eine Sonnabend im Februar des Jahres 2007. Erika hatte mehlige Kartoffeln vom Öko-Mark beschafft. Mehl, Sahne und Zitronen bereit gelegt und Harry begann gleich nach dem Frühstück mit dem Kartoffelschälen.

Auch wir begaben uns auf die mehr als eine Stunde währende Autofahrt nach Lüneburg und brachten durchwachsenen und leicht angeräucherten Bauchspeck mit. Den bekommen wir hier von glücklichen Schweinen stammend und das ist für den Soßengeschmack sehr wichtig.

Etwas später, als vereinbart trafen wir in Lüneburg ein. Ein großer Topf voller Kartoffeln wurde zum Kochen auf den Herd gestellt. Harry schnitt den Bauchspeck in Scheiben (Grieben) und ich begann auf kleiner Flamme und in einer großen Pfanne die Grundlage für die Fuschersoße langsam auszulassen.

Während die Kartoffeln kochten, bereitete ich die Soße vor, die für den vollen Topf Fuscher auch reichen musste. Nachdem der in Scheiben geschnittene Bauchspeck ausgelassen und auch etwas kross gebräunt und herausgenommen waren, wurden vier Becher süße Sahne hinzu gegossen und mit Zitronensaft (eine Zitrone) abgeschmeckt und langsam einköcheln gelassen, damit es auch Fuschersoße wurde.

Inzwischen waren die Kartoffeln gar, das zu viele Wasser wurden abgegossen,  Mehl mit einem hölzernen Kochlöffel zwischen die Kartoffel gemischt. Als Faustnorm gilt, etwa ein Drittel Mehl auf zwei Drittel Kartoffeln. Harry hatte einen Holzhocker mitten in die Küche gestellt, darauf kam der Topf und einer von uns hielt ihn fest, während der Andere stampfte bis sich Kartoffeln und Mehl zu einer Masse vereinten und keine Mehlklümpchen mehr entdeckt wurden. Einen zünftigen Kartoffel-Stampfer gedrechselt aus Holz hatte ich vorsichtshalber mitgebracht und das erwies sich als Volltreffer. Beides, Fuscher und Soße, war bestens geraten, was alle bestätigten und an Harrys zufriedenem Gesichts-Ausdruck eindeutig belegt.

Seit meiner Kindheit ist die Fuscherspeise eine meiner Lieblingsspeisen und daran hat sich bis heute nichts geändert. Inzwischen bin ich 87 Jahre alt und kann körperlich nur noch auf Sparflamme beansprucht werden. Das führt auch dazu, dass ich diese Lieblingsspeise nicht mehr so oft essen darf, denn danach kann ich kein Brennholz mehr hacken, um die aufgenommenen Kalorien abzubauen.

Geschichtlich hat der Zweite Weltkrieg mit dem Einmarsch Deutschlands in Polen begonnen. Da ließ auch Stalin seine russischen Truppen über die Ostgrenze Polens marschieren und besetzte die ihm von den Polen im Ersten Weltkrieg abgetrennten Gebiete.

Nur zwei Jahre danach brach im Jahre 1941 der Krieg zwischen Deutschland und Russland aus. Da verbannte Stalin seine deutschstämmigen Untertanen aus ihrer Heimat in der Ukraine und dem Wolgagebiet und setzte sie in seine weit östlich liegende Steppen und unbewohntes Land aus. Während der wochenlangen Transporte in Viehwaggons mussten sich die Deportierten selbst ernähren und dabei half ihnen auch wieder die Fuscher-Kartoffelspeise.

Als ich in den Jahren meiner Selbständigkeit ein junges Ehepaar traf, die beide Russland-Deutsche sind, kannten beide die Fuscher-Kartoffelspeise. Die junge Frau berichtete mir, dass sie im Kindesalter die „Grieben“ nicht mochte, was ich wiederum überhaupt nicht verstehen kann. Aber auch meine liebe Frau mag zwar Fuscher, aber keine „Grieben“ in der Soße. So ist es eben, einer liebt die Tochter und der andere die Mutter.

Diese Website soll diese köstliche Fuscher-Karoffelspeise wieder ins Gedächtnis rufen, denn „Fuscher-Esser“ sind durchweg sehr sympathische Leute. Mindestens einmal im Jahr lud ich meine Kinder, Schwieger-Kinder, Neffen und Nichten zur Fuscher-Speise zu mir ein und dann bedaure ich es immer, wenn jemand diese köstliche Fuscherspeise nicht schlucken kann, dann kauen sollte man die Fuscherspeise selbst nicht.

Es stimmt aber nicht, dass ich als Schwieger-Töchter oder Söhne nur Fuscher-Esser akzeptiere, aber lieber wäre es mir schon, wenn sie meine Lieblinsspeise auch mögen und sie mir dann eine Fuscher-Speise zubereiten würden.

Es gibt in der Zubereitung der Fuschersoße auch andere Varianten, wie aus den Kommentaren zu dieser Fuscher-Webseite ersichtlich ist. So wird aus religiösen Gründen Schweinespeck auch nicht für die Zubereitung der Fuschersoße verwendet. Stattdessen werden Rippchen vom Schaf, Kalb oder Rind geschmort und  zur Fuscherspeise gegessen, was auch sehr schmackhaft sein muss.

Ihr Gerhard Wolter

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