Die Webseite: Kartoffel-Fuscher

Die Kartoffelspeise „Fuscher“ ist in der ganzen Welt bekannt

Meine Vorfahren waren Siedler in Masovien, das zu Kongresspolen gehörte und die Kartoffel-Fuscherspeise war bei ihnen sehr beliebt. Sie wurde von Generation zu Generation weiter vererbt. Bei der letzten Teilung Polens kam es unter russische Herrschaft und sls der Erste Weltkrieg begann, verbannte der russische Zar die Männer seiner deutschen Untertanen aus Kongresspolen ans Nordmeer seines großen Reiches. Etwa sechs Wochen danach wurden auch die Frauen und Kinder der Verbannten in die Deutsche Wolga-Republick verbracht. Als die verbannten Männer davon erfuhren, erbaten sie beim Zaren eine Familien-Zusammenführung und der Zar gewährte ihre Bitte. Während der wochenlangen Reise in Viehwagons der russischen Eisenbahn mussten die Verbannten sich selbst verpflegen und dafür eignete sich auch die Fuscher-Kartoffelspeise bestens, den sie hielt sich in de kalten Jahreszeit auch für eine längere Zeit.

Als im Jahre 1917 in Russland die Revolution ausbrach, durften die Verbannten in ihre Heimat zurückkehren. Am Ende des Zweiten Weltkrieges verließen viele Deutsche Kongresspolen, das noch von Reichsdeutschen Truppen besetzt war. Auch meine Eltern zogen nach Westpreußen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Versailler Friedensvertrag des Jahres 1920 ein neues Polen gegründet und ihm wurde Westpreußen und die Provinz Posen zugeteilt. So kamen meine Eltern fast nahtlos von der russischen unter die polnische Herrschaft und im Jahre 1924 bin ich dort geboren.

Auch mein Vetter Rudolf Jeske, der in seiner Jugend ein großer Fuscher-Liebhaber war und den Spitznamen „Fuscher-Jeske“ bekam, wanderte nach Amerika aus. Er lebte in der Stadt Edmonton in Kanada und war bis zu seinem Tode Prediger der evangelischen Kirche Gottes.

Ich bin auch ein großer Fuscher-Fan und als ich mit meiner Familie Ende des letzten Jahrhunderts gute Freunde in Edmonton besuchte, war Vetter Rudolf. der „Fuscher-Jeske“ bereits verstorben. Da kamen wir mit unseren Bekannten auch auf die Fuscherspeise zu sprechen und ich fragte die Ehefrau meines kanadischen Freundes, „wie bereitest du die Fuscherspeise zu?“ Der kleine Unterschied zu meiner Fuscher-Zubereitung war nur, dass sie – als erfahrene Hausfrau nur soviel Wasser zum Kochen der Kartoffeln in den Topf gab, wie es erforderlich war und kein zu vieles Kochwasser von den Kartoffeln abgegossen werden musste.

Da beschlossen wir recht spontan, dass ich als „Fuscher-Fan“ für die ganze Sippe unserer Bekannten eine Fuscherspeise zubereite. Wir vereinbarten auch gleich einen Termin dafür und mit Trautes großer Unterstützung bereiteten wir für zwölf Personen eine Fuscherspeise zu. Der einzige Unterschied zu meiner Zubereitungs-Variante war, dass meine kanadische Bekannte keinen hölzernen Fuscherstampfer mehr besaß und das Stampfen des Fuschers einer elektrischen Knetmaschine überließ, was eine sehr erhebliche Arbeitserleichterung war.

Diese Fuscher-Mahlzeit wurde ein voller Erfolg und sie ist uns allen in guter Erinnerung geblieben.

Es stellte sich uns die Frage, wie ist die Kartoffelspeise „Fuscher“ entstanden, wie kam sie zu ihrem Namen und wie wird sie zubereitet?

Für die Namensfrage kann es folgende Theorie geben: Der Name „Fuscher“ entstand sicher aus dem Wort „pfuschen“ und es kann gut möglich sein, dass nach der ersten Fuscher-Zubereitung gefragt wurde; „was hast du denn da zusammengepfuscht“ und schon hatte diese Kartoffelspeise auch den Namen Fuscher erhalten.

Wer Fuscher aber zubereitet hat der weiß auch, dass dabei nicht gepfuscht werden darf. Fuscher muss gründlich und solange gestampft werden, bis jedes Mehlklümpchen zerstampft ist und eine kompakte Masse aus Kartoffeln und Mehl entstanden ist, die sich auch – wie ein gut zubereiteter Teig vom Topfrand und auch vom Stampfer löst.

Wahrscheinlich waren es Bayern, die auch die Fuscherspeise erfanden, denn seit der preußische König Friedrich die Kartoffel in Preußen einführte, um seine Untertanen besser zu ernähren, hat es ganz sicher nur eine sehr kurze Zeitspanne gedauert, bis auch die Bayern die Kartoffel bei sich einführten. Dann stellten sie auch schnell fest, dass Speisen aus Kartoffeln und Mehl schmackhafte Speisen ergeben und „schwub`die wub“ war auch die Fuscherspeise erfunden.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fuscher liebenden Siedler aus dem Osten in alle Welt vertrieben. Aber nur wenige von ihnen hatten neben dem Wissen von der Zubereitung der schmackhaften Fuscherspeise auch die Möglichkeit, sie zu zubereiten, denn es fehlte immer zumindest Mehl oder Bauchspeck.

Damit diese köstliche Kartoffelspeise nicht vergessen und auch an unsere Nachkommen weiter gegeben wird, dafür soll die folgende Webseite sorgen.

Ihr Gerhard Wolter

 

11 Antworten auf Die Webseite: Kartoffel-Fuscher

  1. Petra Knop sagt:

    Lieber Herr Wolter, ich bin ganz begeistert, auf Ihre Seite gestossen zu sein. Denn den Fuscher suche ich seit langer Zeit vergeblich. Meine Großeltern stammen aus Westpreußen aus den Kreis Rosenberg. Meine Mutter wurde dort geboren. Ich bin auch schon fünfzig Jahre alt und suche dringend dieses Rezept und wies richtig geht. Meine Mutter ist leider auch schon verstorben, ich kann sie nicht mehr befragen. Ich kann mich gut erinnern ´, dass die Oma den Topf mir beiden Händen auf einem Schemel festhielt und der Opa die Fuschermasse stampfte. Ich weiss auch Spec k und Zwiebeln wurden ausgelassen und über die fertigen Fuscher gegeben. Ich habs mehrmals versucht aber so wie bei Oma ist es nie gelungen. Vieleicht sind Sie so nett und v erraten mir dieses wunderbare Rezept mit Mengenangaben. Ich würde mich sehr freuen und es auch in Ehren halten. Viele Grüsse aus Rostock petra K.

  2. Birgit Schuldt sagt:

    Hallo Herr Wolter, Ihre Geschichte ist auch die Geschichte meiner Großeltern.
    Als Kind habe ich leidenschaftlich gerne die Fuscher gegessen. Allerdings am liebsten mit Zucker.
    Auch bei uns ist das Rezept leider nicht überliefert worden. Die Töchter meiner Oma leben zwar noch, aber keiner kennt das Rezept.
    Wie Frau Knop hätte ich auch gerne das Rezept, denn meine Versuche endeten kläglich.
    Liebe Grüße aus dem Lipperland. Birgit Schuldt

  3. RWE sagt:

    Lieber Herr Wolter,
    danke für diese Web-Site. Als Kind in der DDR hatte ich dieses Essen zuletzt genossen (mein Vater war Wolhynien-Deutscher, seine Eltern Deutsche aus Kongress-Polen), seitdem nicht mehr. Seit 1958, mittlerweile im Westen, gab es andere schmackhafte Zutaten, die das einfache Fuscher-Essen in Vergessenheit gerieten ließen. Zufällig stolperte ich über Ihre Web-Site und bekam sofort Appetit auf Fuscher. Werde demnächst das Rezept ausprobieren in der Hoffnung, dass der Geschmack mich an meine schöne Kindheit erinnert.
    Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch!
    RWE

  4. Szuries Dieter sagt:

    Die Erklärung für den Namen der Fuscher liegt wohl näher, als manch einer glauben mag.
    Nach den Rezeptangaben meiner Mutter und meinen Erinnerungen an die Zubereitungsart, die meine Oma noch in einem alten Kohleofen zelebrierte, handelt es sich eindeutig um Gnocchi.
    Wenn man dann noch bedenkt, dass Friedrich Wilhelm I, König von Preussen, im Jahre 1731 etwa 20000 ausgewiesene Protestanten aus dem Salzburger Land in sein Siedlungsprogramm integriert hat, wovon ein Großteil in und um Gumbinnen angesiedelt wurde, dann findet man auch schnell den Zusammenhang zwischen ihrer alten Heimat, dem Fuschertal und ihrer Leibspeise, den Fuschern.

  5. Edith Bisesi sagt:

    Lieber Herr Wolter, mit Ihrer Fuscher-Seite ist dieses leckere Gericht aus meiner Kinderzeit endlich rehabilitiert. – Fuscher war etwas, das wir gerne aßen. Aber es durfte nicht darüber gesprochen werden, denn es war etwas, dass der Frankfurter (Main!) nicht kannte. – Selbst wenn ich heute jemandem die Zubereitung erkläre, sehe ich nur verzogene Gesichter! – Besonders interessant an Ihrem Artikel finde ich, dass der Name Jeske in Ihrer Seite auftaucht. Es ist auch der Name meines Großvaters.
    Wahrscheinlich geht Fuscher nur mit einem „Holzstampfer“ herzustellen oder? – Haben Sie schon einmal einen Versuch mit einer Küchenmaschine gewagt? – Es würde mich freuen, bald von Ihnen zu hören oder/und auch von anderen „Fuscherkennern“. — Freundlich grüßt Sie Edith Bisesi

  6. Edith Bisesi sagt:

    Lieber Herr Wolter, es tut mir ein wenig weh, wenn ich meinen Tippfehler in meinem
    Kommentar lese! – Bitte korrigieren Sie im vierten Satz das „jemanden“. Es muss natürlich „jemandem“ heißen. Grüßle Edith Bisesi

  7. Gerhard Wolter sagt:

    Hallo liebe Edith,
    im März des Jahres 2013 hast Du mir einen Kommentar in meine Fuscherseite geschrieben, dass Dein Großvater Jeske hieß. Rudolf Jeske war mein Vetter, ein Sohn einer Schwester meiner Mutter Rosamunde Tauber . Dudolf war nach dem Ersten Weltkrieg nach Kanada ausgewandert und in der Stadt Edmonton war er einer der religiöse Führer der evangelischen Gemeinde „Die Kinder Gottes“ in der Stadt Edmonton.
    Zuvor lebte er in Kongresspolen, im Bogen des Nebenflusses der Weichsel und Wengrow war und ist es immer noch der evangelischen Kirche. Auch meine Eltern lebten dort und sind nach dem Ersten Weltkrieg nach Westpreußen ausgewandert und dort bin ich im Jahre 1924 geboren.
    Wenn Du möchtest, dann können wir etwas mehr über die Jeske-Sippe austauschen.
    Viele Grüße
    von Gerhard Wolter

  8. Erika Koenig-Sheridan sagt:

    Hallo!
    Vielen, vielen Dank! Ich suche schon seit Jahren ein Fuscher rezept so wie es meine Mama gemacht hat, mit Speck und Zwiebeln. Ihre Geschichte klingt mir bekannt. Ich bin in Thuringen geboren, aber meine Familie kommt aus Wolhynien. So ging unsere Reise: Wohlynien, Warthegau, Thuringen und dann eine Menge Fluchtlingslager in west Deutschland, und zuletzt Canada, wo ich jetzt wohne. Ich kenne den Namen Jeske sehr gut; meine Eltern waren Mitglieder der Gemeinde Gottes und haben mich als Kind zur Kirche mitgeschlept.
    Liebe Grusse aus Ottawa,
    Erika
    P.S. Please excuse the lack of Umlauts; I don’t have them on my keyboard;-)

  9. Kurt Hartwig sagt:

    Na schon.
    Endlich hab ich ein Rezept über Fuscher gefunden. Meine Mama hat den öfters gemacht. als ich verheiratet war, da hab ich auch meiner Frau dieses gute Essen präsentieren wollen, aber es ist total daneben gegangen. Die Masse hat am Gaumen geklebt und geschmeckt hats wie paar an nen Hals.
    Jetzt will ich es noch mal probieren. Am gieben Ende mechts ja wohl klappen. Mecht kennt wohl seint. Na ihr wißt schon – meine Heimat ist Gostynin – und meine Eltern haben noch dieses urwüchsige Mischmasch von deutsch und polnisch und bisschen preußisch mit schwäbisch vermischt jesprochen, aber zu Fuscher passt ja so eine Redensart janz jut.
    Ich werde von meinem Fuscheressen berichten.
    Bis dahin alles Jute und Spaß beim Fuscheressen.
    Übrigens: Meine Eltern sind von Oscar Jeske in Gostynin in er Pfingstgemeinde getraut worden. Ist der Oscar möglicherweise ein Verwandter vom Rudolf?
    Kurt Hartwig

  10. Julia sagt:

    Ich hätte auch gerne ein Rezept mit Mengenangaben. Mein erstmaliger Fuscherversuch war superlecker. Die Masse war nicht klebrig und nicht klumpig und ließ sich auch gut zu Klößen formen. Muss dass so ein? Oder anders? Aber ich habe auch alles nur „frei Schnauze “ gemacht.

  11. Super. Endlich das Rezept gefunden. Meine Mutter kam aus Lodz und hatte die „Fusia, Fuszer, Psiocha oder auch Porka genannt bei uns zu Hause gekocht und ich habe sie geliebt! Jetzt wohne ich in Breslau und möchte die alte Tradition aufleben lassen 🙂

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